Adolf Staufer |
| Brennende Liebe zum Sensenschmieden
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Zur Person:
Der gebürtige Mollner unterrichtet an der HTL Meß-, Steuer- und Regeltechnik, EDV und Technische Informatik. Ein abwechslungsreiches Leben führte den nunmehr 60-Jährigen zu dieser voraussichtlich letzten Station seiner Berufstätigkeit. Seine eigene Schulzeit begann 1945 mit mehrmonatiger Verspätung, denn die Schule war noch vollgepfercht mit Kriegsflüchtlingen. 8 Jahre lang drückte er die Bank der Volksschule in Molln, weil das knappe Budget der Sensenschmiedfamilie mit 4 Kindern den Besuch einer weiterführenden Schule nicht zuließ. Wie er sich erinnert, ging er als Achtjähriger zur Erstkommunion in den Schuhen seiner Mutter, weil er selbst nur "Holzpummerln" besaß. Die elterliche Wohnung lag in unmittelbarer Nähe der Sensenhämmer im Gstadt bei Molln, deren Pochen die unüberhörbare Begleitmusik der Kindheit lieferte. Ein Radio gab es in der Familie nicht, der Traum von der weiten Welt wurde mit einer geradezu hektischen Inanspruchnahme der Werksbibliothek und bei Erzählungen von Kriegsheimkehrern geträumt.Lustiger Hammerschmied: Mit 14 Jahren begann das Arbeitsleben bei den Sensenschmieden, die Adolf Staufer alle schon seit seiner Kindheit gut kannte. Er erinnert sich: "Nach meinem 1. Arbeitstag hab i vom Handrücken bis zum Oberarm a einzige Brandblasn ghabt, weil i so dumm war und hab d Ärmeln aufgstellt. Mein Vorarbeiter, der Steindler Sepp, hat nur gmoant, so was merkt man sich besser, wann man selber draufkommt." Bis er aus einem Stahlstück, dem "Bröckl", unter dem Schmiedehammer einen "Zain" formen konnte, mußte er noch so manchen Schweißtropfen vergießen.
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So begann 1957 die Freundschaft mit Franz Reithuber, dem späteren Kollegen an der HTL Steyr. |
Trotzdem ließ er seine Liebe zu den Sensenschmieden und ihrem rauhen Arbeitsleben bis heute nicht erkalten. Weil aber das Ende der alten Sensenschmiedherrlichkeit abzusehen war, sattelte er nach einiger Zeit um und begann eine Lehre als Werkzeugmacher und Betriebsschlosser. Seinen damaligen Meister bewundert er noch heute als Vollbluttechniker und Vorbild für das weitere Leben. Schon während der Lehrzeit hatte er auch schon Fernkurse für Metallbearbeitung und Maschinenbau absolviert.
Spannende Karriere:
Nach der Facharbeiterprüfung entschloß er sich zum nebenberuflichen Besuch der ehemaligen Arbeitermittelschule in Linz. Es folgte ein Studium an der TU Wien und anschließend eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Reaktortechnik des Forschungszentrums in Seibersdorf. Von dort stammen auch die ersten EDV-Praxiserfahrungen auf einer im Oktalcode programmierbaren Digital PDB-8, einer IBM 1130 (FORTRAN) und einem Telefunken-Analogrechner, auf dem in den Sechzigerjahren die Reaktordynamik für Zwentendorf simuliert wurde. 1970 wagte er einen neuerlichen Branchenwechsel und übersiedelte zu Fischer-Ski nach Ried/Innkreis, wo er zum Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Sport-AG (Fischer- und Kästle-Ski, Dynafit-Skischuhe und Löffler-Sportbekleidung) avancierte.Seinen Einstieg dort schaffte er mit einem von den Elementargleichungen aus selbst entwickelten Finite-Elemente-Programm für Skiverbundkonstruktionen, das eine der wichtigsten Grundlagen für den legendären C4 der Franz Klammer-Ära und die Eroberung des Langlaufskimarktes durch die Mitteleuropäer bildete. Steifigkeits-, Krümmungs- und Druckverteilungen wurden dabei mit Fourier-Reihen approximiert. Unter anderen ist das Kronenschliff- Steighilfensystem für Langlaufski, nach dem bisher schon mehr als 7 Millionen Ski gefertigt wurden, sein Patent. Auch Fischer-Tennis ist ein Kind seiner Tätigkeit in dieser Zeit. Zur Untersuchung der Stoßvorgänge beim Tennisschlag bediente er sich u.a. der Laplace-Transformation, die auch aus der analogen Regelungstechnik und der Untersuchung von elektrischen Übergangszuständen nicht wegzudenken ist. Die heute zum Stand der Technik gehörende Modalanalyse steckte damals noch in den Kinderschuhen und war unerschwinglich teuer.
| Kitzbühel 1976: Kurz vor seinem Olympiasieg erleidet Franz Klammer auf dem Hahnenkamm eine schmerzhafte Schuhrandprellung. | ![]() |
Den emotionalen Höhepunkt von 10 Jahren bei Fischer bildeten aber die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck. Bei ihnen feierte nicht nur Franz Klammer seinen legendären Olympiasieg auf C4, sondern nahezu die Hälfte aller Medaillen in den nordischen Disziplinen wurde auf Skiern seiner Marke eingefahren. "4 Jahre vorher in Sapporo waren wir schon stolz darauf, daß uns ein einziger Starter im ersten Jahr nach unserem Einstieg in den Langlauf vertraute", so erinnert sich der "Vater des C4" an den Franzosen Pierre Cloudon, der in einem Biathlon-Bewerb mit einem Fischer-Langlaufski der ersten Stunde Sechster wurde. 1980 zog es Adolf Staufer wieder zurück nach Molln, wo er ein Einfamilienhaus gebaut hatte. Er betrieb eine Zivilingenieurskanzlei, bevor er infolge von Kontakten aus der Studienzeit an der HTL Steyr landete.
Freizeitgestaltung: "Ich war nie ein Freizeitmensch, mir hat meine Arbeit
immer genug Freude gemacht," so schätzt sich der vielseitige Techniker selbst ein.
Neben seinem Beruf gehört seine große Liebe der engeren Heimat und den dort lebenden
Menschen. Durch seine manchmal belächelte Vorliebe für die heimische Mundart drückt er
seine Verbundenheit mit der "Kultur der kleinen Leute auf dem Land" aus.
"Unser Schloß hat die
Herrschaft in Steyr gebaut und unser Stift in Garsten, den Leuten bei uns ist immer nur
die Arbeit geblieben", so umschreibt der eingefleischte Mollner seine fallweise etwas
kritische Haltung zur Hochkultur oder dem, was manche dafür halten. Aus voller
Überzeugung setzte er sich daher von der ersten Stunde an für die Idee einer dezentralen
Landesausstellung "Land der Hämmer Heimat Eisenwurzen" ein. Im Projekt
Molln, "Leben und Arbeit an der Krummen Steyrling" war er Obmann des
Trägervereines und Koordinator der Vorbereitungsarbeiten. Das für Molln einzigartige
Kultursymbol der Maultrommel, Bergbau und Sensenschmiede, bodenständiges Holzhandwerk
(von 191 km2 Gemeindefläche sind mehr als 140 km2 Wald!), sowie die ungezähmte und
gezähmte Wasserkraft der Krummen Steyrling bildeten die Ausstellungsthemen. Vieles, was
gezeigt wurde, hat der Vater zweier längst erwachsener Söhne selbst erlebt. So etwa das
Hochwasser 1949 an der Krummen Steyrling: "Da wär i als Zehnjähriger fast
ertrunken. Bloßfüßig wollt i a unterschwemmtes Rasenstück lostretn und bin
einigrutscht." In letzter Sekunde bekam er einen Weidenast zu fassen und ein Freund
zog ihn aus dem Wasser. "Daheim hab i des nia gsagt. Unsere Mutter hat eh gnuag damit
z tuan ghabt, daß s uns vier Kinder durchbringt." Auch mit der
Holztrift, die ebenfalls gezeigt wird, verbindet er Kindheitserinnerungen. "Wir Buam
ham uns zwoa Bloch stibitzt und a Floß baut. D Nachflötzer haben s uns
wieder abgjagt." Treibholz war hingegen für alle da: "Du hast einfach an Stoan
draufglegt und schon hats dir ghört". Und alle haben diese
urzeitliche Form der Inbesitznahme auch respektiert!
Ehrenamtliches Teamwork: Tausende
Stunden unbezahlter Arbeit widmeten der Freizeithistoriker und seine nicht minder
engagierten Mitarbeiter den Vorbereitungen zur Landesausstellung 1998. Buchstäblich aus
einem Saustall, einem Kuhstall und einem Misthaufen schufen sie das "Museum im
Dorf", das nach ihrer Idee auf Dauer vorwiegend die Kultur der heimischen Arbeitswelt
zeigen soll. Gewirtschaftet wurde dabei so sparsam, daß aus dem Budget der
Landesausstellung auch schon die Objektmiete für 25 Jahre im Voraus bezahlt werden
konnte. "Wir waren eine großartige Mannschaft, um die uns jeder Betrieb beneiden
müßte!", so beschreibt der Projektkoordinator die Zusammenarbeit mit seinen
Bereichsverantwortlichen, dem 79jährigen Wagnermeister Adolf Kerbl, dem Industriedesigner
Hans Georg Pucalka, dem Pensionisten und ehemaligen Nebenerwerbslandwirt Franz Hackl,
sowie dem Werkzeugschleifer und Hobbyarchäologen Egon Petschnik. "Wir haben das in
erster Linie als Kultur- und nicht als Tourismusprojekt gesehen und waren uns darin einig,
daß man so etwas tun muß, ohne dafür die Hand aufzuhalten!", so charakterisiert er
die Devise dieser ländlichen Kulturarbeit. Zum Ende der Landesausstellung wurde mit dem
Buch "Das Gstadt in Molln" noch ein spannendes Bild vom Wandel des Arbeitslebens
über die Jahrhunderte gezeichnet. Als Denkmal für seine heißgeliebten Sensenschmiede
will es Adolf Staufer in erster Linie verstanden wissen. Die große Sachkenntnis und
Vertrautheit mit ihrem Leben, die Zeile für Zeile spürbar wird, bietet einen bewegenden
Einblick in die einst ruhmreiche Eisenverarbeitung an Krems, Steyr und Enns.
"Dauna gehn lassn", so nannten es die Sensenschmiede, wenn sie kein neues Eisen mehr ins Feuer legten, weil der Feierabend nahte. Auch für den vielseitigen Oberstudienrat wird es langsam Zeit, an den Feierabend zu denken, immerhin steckte er das erste Eisen seines abwechslungsreichen Berufslebens schon am 28. September 1953 ins Schmiedefeuer. "Jedes Ende ist ein neuer Anfang", so kommentiert er gelassen den bevorstehenden Ruhestand.
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1999: Wie sich die Zeiten ändern: Gespräch mit Kollegen Dipl.Ing. Dr. Franz Reithuber |
Daß er sich aber in der Pension zum "Freizeitmenschen" wandeln wird, kann keiner so recht glauben, der ihn kennt! Nicht schwer zu erraten ist wohl, daß er viel Zeit daheim in Molln verbringen wird, für Freizeitbeschäftigung hat er ja zur Genüge vorgesorgt. Auch in seiner Mailbox wird er sicher von Zeit zu Zeit nachsehen, alleine schon um allfällige Interessenten für sein Gstadt-Buch bedienen zu können.
Quellen:
| 11.02.1999 |