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HTL Steyr - Jahresbericht 1999/00 |
HR Dkfm. Othmar Auer – Eine Karriere
Ich bin als Landesschulinspektor und als Leiter der pädagogischen Abteilung für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Oberösterreich mit allen wesentlichen Belangen dieser Schulen befasst.
Vor ca. 40 Jahren war ich Schüler der Höheren Lehranstalt für Maschinenbau, Motoren- und Landmaschinenbau in Steyr, 1961 maturierte ich, und auf dem langen, nicht immer einfachen, aber dafür umso interessanteren Weg von der Schule in den Landesschulrat waren immer wieder Entscheidungen zu treffen, welche Richtung ich an den vielen Weggabelungen wählen und einschlagen sollte.
Die HTL Steyr hatte damals 32 Klassen, davon 20 Fachschulklassen, mit ungefähr 800 Schülern. Der „Maschinen-, Motoren- und Kfz-Bau“ sowie der „Maschinen-, Motoren- und Landmaschinenbau“ bildeten die Höheren Abteilungen, Fachschulen gab es für „Motoren- und Kfz-Bau“, „Motoren- und Landmaschinenbau“, „Metall- und Werkzeugbau“, „Starkstromtechnik“, „Hochfrequenz- und Rundfunktechnik“ und „Gestaltendes Metallhandwerk“.
Es waren für mich schöne, aber auch fordernde Zeiten. Die durchschnittliche Wochenschulzeit betrug 48 Stunden (davon ca. 60% Fachpraxis- und Fachtheorieunterricht) und dazu kamen noch die Zeiten für die Hausübungen und für das Vorbereiten auf Prüfungen und Schularbeiten.
Den Arbeitswillen und die Beharrlichkeit, den ökonomischen Umgang mit einer stets zu knappen Zeit, ein stark strukturiertes Denken und technische Fach-Grundkenntnisse konnte ich an meiner Schule lernen und ins Berufsleben mitnehmen.
Ein Auszug aus der Schulchronik soll zeigen, dass es neben den hohen Anforderungen des Unterrichts und der Werkstätten auch interessante alternative Schulaktivitäten gab:
26.10.1960: Tag der Fahne. Alle Lehrer und Schüler erscheinen in Festkleidung im Hofe der Anstalt zur großen Schulfeier, die um 9 Uhr mit Marschmusik eingeleitet wird. Vor dem im rot-weiß-roten Flaggenschmuck prangenden Hauptgebäude wird die österreichische Fahne aufgezogen. Festgedichte, Sprüche und Heimatlieder (gesungen von einem Mädchenchor der Anstalt) wechseln in bunter Reihenfolge. Der zweite Teil der Festveranstaltung ist sportlichen Vorführungen gewidmet. Prof. Dr. Kubat leitet die mit großem Interesse verfolgte 100-m-Pendelstaffel.
Das von einer Riege aus Schülern der Höheren Abteilungen gezeigte Schauturnen am Hochbarren unter Prof. Peiker steht auf beachtlichem Niveau. Besonderen Beifall erzielt das von Prof. Peiker zusammengestellte und mit der V MK einstudierte symbolische Spiel mit Freiheitsspruch, in welchem die Befreiung Österreichs von einer jahrelangen Fremdherrschaft und sein Aufstieg eindrucksvoll dargestellt werden. Die Bundeshymne beschließt die Feier. Anschließend ist unterrichtsfrei.
1.12.1960: Nach Unterrichtsschluss treffen sich die Lehrer der Fachgebiete Physik, Elektrotechnik und Maschinenbau, um über das „Internationale Einheitensystem“ (Neue Maßeinheiten in der Physik) zu beraten.
10.2.1961: Der traditionelle Ball der Bundesgewerbeschule wird in den im festlichen Blumenschmuck prangenden Sälen des Casinos abgehalten. Besonderen Anklang findet bei den sehr zahlreich erschienenen Ballgästen die vom Jungdamen- und Jungherrenkomitee zur Balleröffnung getanzte Quadrille.
18.2. – 25.2.1961: An der Schiwoche nehmen alle zweiten Fachschul-Klassen sowie die II.und IV. Jahrgänge der Höheren Abteilungen teil. Insgesamt sind 216 Schüler in vier Gruppen aufgeteilt, die von Prof. Peiker (Saalbach), Prof. Eichlseder
(Planneralm), FL Haberl (Mühlbach am Hochkönig) und FL Mertl (Donnersbachwald) geführt werden. An der zur gleichen Zeit abgehaltenen Aktion „Österreichs Jugend lernt ihre Bundeshauptstadt kennen“ nehmen alle dritten Klassen und Jahrgänge teil.
24.3.1961: Zum „Tag des Waldes“ versammeln sich die Schüler in der großen Vormittagspause im Schulhof. Nach einem gemeinsam gesungenen Lied hält Direktor Hofrat Hillisch eine Ansprache, in der er auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes hinweist. Der Chor „Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?“ beschließt diese Besinnungsstunde.
13.6.1961: Bei den Schwimmwettkämpfen aller Schulen der Stadt Steyr erringt die Bundesgewerbeschule mehrere 1. Preise.
Wie schaut es heute an der HTL Steyr aus:
In 44 Klassen, davon 12 Fachschulklassen, werden etwa 1100 Schüler unterrichtet. Höhere Abteilungen gibt es für „Maschineningenieurwesen – Fahrzeugtechnik“, „Maschineningenieurwesen – Maschinen und Anlagentechnik“ und „Elektronik – technische Informatik“. Als Fachschulen gibt es „Maschinenbau-Fahrzeugtechnik“, „Elektronik – Technische Informatik“ sowie „Kunsthandwerk“ mit verschiedenen Ausbildungszweigen.
Die durchschnittliche Wochenstundenanzahl wurde auf 39 reduziert, das Verhältnis zwischen Fachunterricht und dem Unterricht in den allgemeinbildenden Gegenständen ist dabei etwa gleich geblieben. - Irgendwie bedaure ich das, denn ich musste im Studium und auch im Berufsleben erfahren, dass z.B. die Fremdsprachen oder die Gegenstände, in denen die Kommunikation und Diskussion besonders gepflegt werden hätten können, zu kurz kamen.
Drei besondere Hürden galt es für einen HTL-Schüler zu überwinden, die Aufnahme in die Schule, den positiven Abschluss des 2. Jahrganges und die Reifeprüfung.
1960 gab es viel zuwenig HTL-Schulplätze. Eine große Zahl von Abweisungen, trotz bestandener Aufnahmsprüfung, war die Regel. Aufgrund des gezielten Ausbaues des Schulsystems gibt es an den o.ö. HTL´s heute kaum noch Abweisungen, Schüler mit guten Zeugnissen müssen auch keine Aufnahmsprüfung mehr machen.
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der HTLs in Oberösterreich im Zeitvergleich.
| 1960 | 2000 | |
| Zahl der Schulen | 5 | 12 |
| Zahl der Klassen | 73 | 357 |
| Zahl der Schüler | 1764 | 9191 |
| Davon Mädchen | 68 | 810 |
| Zahl der Lehrer | 202 | 1003 |
Das Umstufen vom 2. Jahrgang einer höheren Abteilung in die Fachschule erfolgte dann, wenn ein Jahreszeugnis mehr als zwei Genügend aufwies. Heute besteht unter gewissen Voraussetzungen sogar die Möglichkeit, auch mit einem „Nicht Genügend“ in die nächsthöhere Klasse aufzusteigen.
Der Abschluss der HTL bildet die Reife- und Diplomprüfung. Diplom deshalb, weil der Abschluss in den EU-Staaten anerkannt wird und damit bestimmte Rechte verbunden sind. Stand seinerzeit die einwöchige schriftlich-/graphische Arbeit im Mittelpunkt der Reifeprüfung, kann heute zwischen einer einwöchigen Projektarbeit oder einer einsemestrigen Diplomarbeit gewählt werden.
Nach der HTL, dem Bundesheer und einer Tätigkeit im Stahlbau- und Lüftungsanlagenbau besuchte ich die HS für Welthandel in Wien, an der ich 1968 zum Diplomkaufmann graduierte.
Schon in meiner HTL-Zeit und später in der Praxis wurde mir klar, dass ich nie ein Techniker mit einem besonderen „Gspür“ für die Konstruktion und die Entwicklung werden würde und als ich mich zu einem Weiterstudium entschloss, wählte ich daher das Welthandelsstudium und nicht das Technikstudium. 1960 begannen nur ca. 10% der HTL-Absolventen ein Studium, heute sind es über 50%, die an einer Fachhochschule oder Universität weiterstudieren.
Nach dem Studium arbeitete ich als technischer Kaufmann, daneben studierte ich Psychologie und Wirtschaftspädagogik in Wien und Linz und spondierte 1971 zum Mag.rer.soc.oec.
1969 trat ich als Lehrer für kaufmännische Gegenstände an die HAK/HAS Steyr ein, zuerst nebenberuflich, später hauptberuflich. Von 1978 bis 1986 unterrichtete ich an den Handelsakademien Linz und Auhof, darüber hinaus war ich Lektor an der UNI Linz, Vortragender an der Berufspädagogischen Akademie in Linz und Buchautor für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen.
1986 wurde ich als Landesschulinspektor für die kaufmännischen Schulen in Oberösterreich bestellt, seit 1989 leite ich die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Oberösterreich, einen Bereich der etwa 55 Schulen mit 28000 Schülern und 3000 Lehrern umfasst.
Schwerpunkte meiner Tätigkeit sind die Koordination und das Controlling der Schulvorstellungen und der gesetzlichen Vorgaben, die Organisations- und Personalentwicklung, die Qualitätssicherung und die pädagogische Beratung und Betreuung der Schulen, Lehrer, Eltern und Schüler.
HR Dkfm. Othmar Auer
(Jahresbericht HTL Steyr 1999/00, Seite 42)
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webmaster/27.12.2000 |