|
HTL
Steyr - Jahresbericht 1999/00 |
Elektronikausbildung: Software und Hardware
OStR Dipl.-Ing.
Horst Untersmayr
Abteilungsvorstand für Elektronik
Ausbildungsziel. Das Ziel der Ausbildung ist hochgesteckt. Am Ende sollen Absolventen die Schule verlassen, die als interessierte und motivierte Mitarbeiter in die Arbeitswelt eintreten oder sich erfolgreich den Anforderungen eines Hochschulstudiums stellen. Sie sollen mit Neugierde und Systematik die modernen Softwarewerkzeuge benützen und sich bei Bedarf kommunikativ und kollegial in ein Team eingliedern. Um dieses Ziel zu erreichen ist der aktuelle schulische Weg der Elektronik-Ausbildung nach fachlichen und pädagogischen Richtlinien angelegt.
Entwicklungsschübe und Lehrplan. Die Elektronik hat ihre Wurzeln in der Elektrotechnik. Ihre Entwicklung ist mit zunehmender Geschwindigkeit von der Elektromechanik in der Fernmeldetechnik, über die Elektronenröhren in der Radio- und Fernsehtechnik zur Halbleiterelektronik und schließlich zur Mikroelektronik fortgeschritten. Computer und Mobiltelefone sind „Paradeprodukte“ der modernen Elektronik und Beispiele für ihre Innovationskraft. Die Informatik als eigene Wissenschaft und als „Fabrik“ für Softwarewerkzeuge, hat in den letzten Jahren wahre Entwicklungsschübe ausgelöst. Es ist daher ganz natürlich, dass die Informatik den Fachunterricht an der Höheren Abteilung für Elektronik, Ausbildungsschwerpunkt Technische Informatik, zunehmend durchdringt und die Tendenz erzeugt, die „klassische Hardware“ zu verdrängen. Bei Lehrplandiskussionen stellt sich oft die Frage, in welchem Ausmaß man diesen Trend durch eine Lehrplanänderung in Richtung Informatik beschleunigen soll. Ein Kompromiss zwischen einer auf den Arbeitsmarkt ausgerichteten Spezialisierung auf die Software und der ingenieurmäßigen Grundausbildung auf dem Gebiet der Hardware erscheint dabei notwendig. Auch den Einfluss des Computers auf die Entwicklung der Sozialkompetenz der Schüler muss man dabei beachten. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass der Computer als Werkzeug im Unterricht fast die ganze Aufmerksamkeit der Schüler bindet und wenig Spielraum für die Kommunikation mit Lehrern und Mitschülern lässt. Damit die Schüler nicht zu Einzelgängern werden, muss der Anteil der Bildschirmarbeit, der im 5. Jahrgang bereits jetzt nahezu 50 % der gesamten Unterrichtszeit erreicht, mit Augenmaß begrenzt werden.
Ausbildungsschwerpunkt. Der derzeit geltende Lehrplan aus dem Jahr 1997 sieht in den ersten beiden Jahren noch eine relativ hardwarenahe Ausbildung vor. So wird zum Beispiel in den unteren Jahrgängen den handwerklichen Tätigkeiten und den konstruktiven Aufgaben im Werkstätten- und Konstruktionsunterricht noch genügend Platz eingeräumt. Diese Arbeiten passen gut zum Alter der Schüler und ergeben eine sehr abwechslungsreiche Gliederung des Unterrichtes, die sich auf die Motivation der Schüler günstig auswirkt. Im ersten Jahrgang beginnt auch bereits die Grundausbildung in angewandter Informatik, die sich gemäß dem Ausbildungsschwerpunkt in den höheren Jahrgängen stark ausweitet und im Unterricht zu einem gleitenden Übergang von der Hardware zur Software führt.
Die Elektronikausbildung an der HTL Steyr ist auf die Industrieelektronik mit starker Gewichtung der Informatik ausgerichtet. Pädagogische Gründe, der Bedarf der Wirtschaft und positive Rückmeldungen vieler Absolventen sind maßgebend für die Aufteilung des Lehrstoffes zwischen Hardware und Software.
OStR Dipl.-Ing. Horst Untersmayr
Abteilungsvorstand für Elektronik
(siehe Jahresbericht der HTL Steyr 1999/00,
Seite 108)
| webmaster/06.07.2001 |