HTL Steyr - Jahresbericht 2000/01
Allgemeiner Teil


HR Dkfm Dr. Ivo Rotter -  Eine Karriere

1938 wurde ich in Marienbad, Tschechien, geboren. Nach Volks- und Hauptschule in Bad Ischl kam ich 1953 an die damalige Bundesgewerbeschule Steyr, Fachrichtung Maschinenbau/Kfz-Technik. Die Ausbildung war für mich für mein ganzes Leben prägend. Ein hartes Ausleseverfahren, ein exzellenter Lehrkörper mit einem klare Vorgabe gebendem Direktor Hofrat Hillisch unter dem ich im 4. Jahr Internats- und im letzten Schuljahr Schulsprecher sein durfte. Es ist für mich nicht verwunderlich, dass viele meiner Jahrgangskollegen im Laufe ihres Berufslebens Toppositionen erreichen konnten. U. a. darf ich erwähnen:

  • Prof. DI Dr. Walter Brandstetter, U. a. weltweit zuständig für den Umweltschutz der Ford Motor Comp.

  • DI Dr. Kurt Lettner, Entwicklungschef für LKW, Traktoren und Motoren, Steyr Daimler Puch

  • Brigadier Ing. Altmann Linninger, Panzerinspektor österr. Bundesheer

  • Dkfm. Dr. Franz Schoiber, Vorstand Condor Fluglinie und Neckermann Reisen

Nach der BGS-Matura 1958 inskribierte ich an der damaligen Hochschule für Welthandel. Es folgten Diplom 1961 und Doktorat 1964, letzteres nach Bundesheer und einer zweijährigen Lehrverpflichtung an einer HBLA. Ab 1984 kam es zu abermaligen Kontakten zur Wirtschaftsuniversität - ich wurde ersucht, als Lektor über meine Controllerkenntnisse Praktikervorlesungen abzuhalten, die bis 1993 dauerten.

1965 trat ich bei den Eternitwerken Hatschek, Vöcklabruck, ein, um für drei Jahre im Bereich Verkauf Hochbau, dann in der für damalige Begriffe hochmodernen EDV tätig zu sein. 1971 nahm ich die Gelegenheit wahr, zur Bunzl & Baich Gruppe (damals ca. 2600 Beschäftigte) zu wechseln, da mir die Möglichkeit einer fundierten Managementausbildung im In- und Ausland geboten wurde. Nach einem halben Jahr Praktikum in allen Werken Österreichs ging ich für 12 Monate nach England zur Muttergesellschaft, wo ich u.a. auch die Bilanzbuchhalterprüfung ablegte. 1975 wurde ich Finanzchef des österr. Papierkonzerns.

1973 heiratete ich meine Frau Burgl, die 1977 einen traditionsreichen Gasthof von ihrer Mutter übernahm, den wir, vorwiegend aber meine Frau, zu einem angesehenen Seminarhotel ausbauen konnten. Wir haben zwei Kinder, Stefan (25) ist Assistent am Institut für theoretische Physik der TU-Wien, Karin (23) studiert Handelswissenschaften an der WU-Wien.

1980 wurde ich von den österr. Volksbanken zu einem Wechsel in das Spitzeninstitut (ÖVAG) veranlasst, wo ich nach entsprechender Einarbeitung u. a. für die Konzernbeteiligungen, das Rechnungswesen, Conrolling, EDV und den VB-Hilfsfonds sowie die Erarbeitung diverser Strategiepapiere zuständig war. 1985 wurde ich zum Generalsekretär ernannt.

Nach dem Scheitern strategischer Überlegungen, die zu einem gemeinsamen Spitzeninstitut von Volks- und Raiffeisenbanken hätten führen sollen, einer Lösung, wie sie in Deutschland praktiziert wird, wechselte ich zur Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB). Zum fundierten Kennenlernen des Zahlungsverkehrs. Ab 1989 gehörte ich auch einem Dreierteam von Experten an, welches gemeinsam mit einem internationalen Beratungsunternehmen Weichen für zukunftsorientierte Strukturen samt aller notwendigen Rationalisierungsmaßnahmen für diese Großbank zu stellen hatte.

Es soll aber hier nicht der Eindruck erweckt werden, das ganze Berufsleben habe nur aus Erfolgen bestanden. 1988, mit 50 Jahren, erlitt ich einen schweren Herzinfarkt, der mich für beinahe ein halbes Jahr aus der Bahn warf. 1992 wurde mein unmittelbarer Vorgesetzter und langjähriger Weggefährte in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Die Rivalität zwischen ihm und seinem Kollegen bekam ich nachher voll zu spüren; ein damals für mich nachteilig erscheinendes Aufgabengebiet war die Folge. Rückblickend muss ich jedoch zugeben, dass es kaum Nachteile ohne Positiva gibt. Meine Herzattacke nützte ich zu einer gesundheitlichen Kurskorrektur, die neben einer cholesterinarmen Diät auch konsequentes Jogging zur Folge hatte. Heute erfreue ich mich, drei Jahre nach meiner Pensionierung, bester Gesundheit und kann es sicherlich mit der Mehrzahl gleichaltriger Gesunder aufnehmen. Mein beruflicher Entwicklungsknick gab mir mehr Freizeit, die ich um Aufbau einer namhaften Sammlung tschechischer Kunst (1910 - 1950) nützte, welche im Herbst vergangenen Jahres in eine Privatstiftung eingebracht wurde.

Wenn ich nach abgeschlossenem Berufsleben den Schülern und Absolventen eine Erfahrung mit auf dem Weg geben darf, dann die, sich über die eigenen Veranlagungen, Vorlieben und Qualifikationen so früh als möglich selbstkritisch bewusst zu werden und eine Beschäftigung anzustreben, bei der diese Fakten am besten zu tragen kommen. Nur mit Freude an einer beruflichen Tätigkeit kann man auch Erfolge erwarten. Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass nur im Wege eines „lebenslangen Lernens" die Qualifikation erhalten bzw. ausgebaut werden kann.

HR Dkfm Dr. Ivo Rotter
(siehe Jahresbericht der HTL Steyr 2000/2001, Seite 32)


webmaster/17.09.2004