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HTL
Steyr - Jahresbericht 2000/01 |
Der Bericht des Abteilungsvorstands
OStR Dipl.-Ing. Wilhelm Blaha
(Abteilungsvorstand für Maschinenbau)
Heute möchte ich erzählen,
wie ich das Erwachsenwerden unserer Schüler erlebe:
Noch vor dem Beginn als Schüler sehe ich die Bewerber, wie sie ihre Eltern begleiten. Die Eltern bemühen sich um die Aufnahme, fragen nach den Lehrplänen und den Berufschancen. Daneben schweigt der Junge, um den es eigentlich geht. Sein Interesse zeigt er nur ganz selten, noch überlässt er es Mutter oder Vater für ihn zu reden. Vielleicht ist ihm einfach mulmig zu Mute. Die HTL wurde ihm als schwierig geschildert. Auf was lässt er sich jetzt ein?
Es kommt der erste Schultag, die neue Klassengemeinschaft, die ersten Unterrichtsstunden und die ersten Reibereien. Jeder startet mit gutem Willen und Eifer, der aber auf eine harte Probe gestellt wird. Jetzt zeigt sich die Geduld, die Ausdauer und die Fähigkeit, denn diese Schule ist nicht so, wie sie erwartet wurde. Bekannt war die Hauptschule oder die Unterstufe. In beiden war der Kampf durch die Umwandlung vom Kind zum jungen Mann stärker als der Kampf mit dem Wissenserwerb. Dies ist ab jetzt anders.
Nach der ersten Klasse haben sich einige entschieden, es mit dem neunten Schuljahr bewenden zu lassen. Ihr Einsatz in der Schule geht gegen Null und die Aufmerksamkeit ist der neuen Lehrstelle gewidmet, die die Eltern gefunden haben.
Im zweiten Jahr sind somit die Reihen gelichtet. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird nun stärker. Trotz kleiner Reibereien stehen sie zueinander. Freundschaften bilden sich, Hilfeleistungen werden ausgetauscht, ob beim Lernen oder in der Freizeit. Das Interesse aneinander wächst. Ab jetzt entstehen die Freundschaften, die ein Leben lang halten können.
Ich kann zusehen, wie das Erwachsen werden monatlich voranschreitet. Die Eigenheiten dieser jungen Menschen finden ihre feste Form und machen den Charakter aus und doch wird der Blick tolerant für die andere Art des Nachbarn.
Dazu steigt auch das Fachwissen. Es ist ein himmelhoher Unterschied zwischen den einzelnen Jahrgängen im Verständnis der fachlichen Zusammenhänge. Die ständige Beschäftigung mit den Themen des Unterrichtes bildet – sie schafft eine Landkarte des Wissens und der Fähigkeiten unserer Absolventen.
Zur Reifeprüfung bin ich immer wieder erstaunt und erfreut, was sich aus den scheuen Jahrlingen entwickelt hat und zu welchen Leistungen sie fähig werden, wenn man sie echt fordert. Ich habe erfahren, dass diese Leistungsfähigkeit noch zunimmt, wenn die Motivation des Berufes und der Privatinteressen voll wirksam wird.
Ich bin überzeugt, dass unsere Ausbildung Herausforderung bedeutet und doch die Überlastung vermeidet. Meine Glückwünsche begleiten alle unsere Schüler, mögen sie mit dem Erworbenen ihr Leben optimal gestalten.
OStR Dipl.-Ing. Wilhelm Blaha
(Abteilungsvorstand für Maschinenbau)
(siehe Jahresbericht der HTL Steyr 2000/2001,
Seite 86)
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