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HTL
Steyr - Jahresbericht 2000/01 |
Quo vadis, Goldschmied?
FL Hermann Gossenreiter
In einem Zeitalter der Technisierung, Globalisierung und dadurch Uniformierung, in einer Gesellschaft, in der alles schnelllebiger wird und nahezu alle Dinge auf ihre Funktionalität überprüft und an ihrem Marktwert gemessen werden, sehnt sich der Mensch in zunehmendem Maße nach Magie, Spiritualität, Phantasie und Charme, nach Gefühl, Poesie und Illusion. Wie kaum etwas anderes bezieht sich Schmuck auf diese individuellsten Bedürfnisse des Menschen, rührt an seine Eitelkeit, an seinen Wunsch nach Anerkennung, an seine Sehnsucht bewundert zu werden.
Daher wird der Goldschmied, aufbauend auf seiner Jahrtausende alten Tradition, auch zukünftig in der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Nur gilt es, die sich bietenden Chancen zu nützen. Die Goldschmiede müssen dem Zauber der Edelsteine und kostbaren Materialien etwas hinzufügen, was in der heutigen Zeit kostbarer als Gold und Juwelen geworden ist: ihre schöpferische Intelligenz. Erst die unterscheidet handwerklich gefertigten Schmuck von der weltweit gleich aussehenden industriellen Massenware, macht das Schmuckstück einzigartig und unterstreicht die Persönlichkeit der Schmuckträgerin. Der Goldschmied muss also Gestalter und Handwerker in Personalunion sein, darf nicht versuchen die Präzision von Maschinen zu kopieren, sondern sollte die heute zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten kreativ nutzen.
Die kleinen Strukturen des Goldschmiedehandwerks machen aber große Investitionen in neue Technologien für den einzelnen meist unmöglich. Daher ist unter dem herrschenden Kostendruck Arbeitsteilung und Spezialisierung unumgänglich. Diese Kooperationen fördern auch die Kommunikation und sind auch hilfreich die noch immer verbreitete Meinung abzubauen, im Mitbewerber nur den Konkurrenten zu sehen.
Ein regelmäßiger und vor allem gemeinsamer Auftritt der Betriebe einer Region, wie es andere Branchen ja bereits seit langem und sehr erfolgreich vorzeigen, wäre daher die logische Konsequenz. Davon würde jeder beteiligte Goldschmied, ja die ganze Branche enorm profitieren.
Die Zukunft wird also jenen Betrieben gehören, die mutig neue Ideen umsetzen, klug vorhandene Nischen besetzen und durch Zusammenarbeit mit spezialisierten Betrieben deren Ressourcen nutzen.
FL Hermann Gossenreiter
(siehe Jahresbericht der HTL
Steyr 2000/2001, Seite 192)
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webmaster/10.02.2002 |