KOSOVO 2004          TAGESBERICHT 9. MÄRZ                 SAUKÄLTE

 

Etwas gewöhnungsbedürftig war sie wieder, die erste Nacht. Die Schüler verbrachten diese polsterlos, dafür in romantischem Holz-Ambiente, die Betreuer zwar im Ziegelbau, allerdings vergaß man, die Heizung einzuschalten. Aber was ist das schon gegen eine Ranger-Ausbildung beim Österreichischen Bundesheer. Oder sind wir gerade mittendrin? Keine Sorge, das gesamte Projektteam ist wohlauf und harrt gespannt der Dinge, die der Tag so bringen wird. Nachdem sich alle überzeugen konnten, dass das schlaraffenländische Frühstück nicht nur in Überlieferungen existiert, schallte das bereits bekannte, furchteinflößende AUFSITZEN übers Camp-Gelände, und schon ging’s ab zu den beiden Einsatzorten.

 

In der Schule SKENDER LUARASI wurden wir bereits sehnsüchtig erwartet und überaus freundlich empfangen. Bevor man sich’s versah, waren unsere Instruktoren auch schon von lächelnden Mädchen umgeben, die mit ihren gar nicht so zaghaften Deutschversuchen dem 4er-Team raschest Namen und E-Mail-Adressen herauskitzelten.

Die ersten Schranken waren rasch gefallen, Ende des Vorgeplänkels. Gemeinsam mit den kosovarischen Schülern wurden die Übungstafeln aufgebaut, Unterrichtsmittel ausgeteilt und nach einer kurzen Vorstellung hatte das Bangen ein Ende: UNTERRICHTSBEGINN, theoretische Einführung in die Elektroinstallationstechnik stand auf der Tagesordnung.

Wie bei den ganz Großen: Vor dem Auftritt heißt’s zunächst Autogramme geben......

….. derweilen besprechen die wichtigen Herren mit ebenso wichtiger Miene die Planung.

Zu Beginn war es wahrlich ein Tohowaboho, an dem viele mitwirken durften: mehr als 20 Schüler, 3 freundliche Mädchen mit ansatzweisen Deutschkenntnissen, 3 Lehrer der hiesigen Schule, ein Sprachmittler, viele Hände und Füße. Lediglich der Projektleiter, der diese Komödie ja schon erwartet hatte, hielt sich im Hintergrund und lachte sich ins Fäustchen: Da müsst ihr durch, Jungs.

Wenn’s Lukas Großschartner vorzeigt, sieht ja alles noch sehr einfach aus, ........

........doch nach zaghaftem Beginn kamen auch die kosovarischen Schüler zu Erfolgserlebnissen.

 

4-2-4-2-4-2-4 usw. Falsch geraten, das ist nicht das Taktmuster eines hiesigen Volkstanzes, sondern der Rhythmus der Stromabschaltung: 4 Stunden Strom – 2 Stunden kein Strom usw. Dass dies eine Unterweisung in elektrotechnischen Belangen erleichtert, kann man schwerlich behaupten. Doch die Kosovaren sind gewieft. Ein Dieselgenerator schafft manchmal Abhilfe, allerdings nur dann, wenn nicht das Schlüsselsyndrom auftaucht, d.h. der Schulwart als Verwahrer des einzelnen Schlüssels zum Generatorraum nicht gerade einen Verwandten, ein Cafe, ein Konzert oder was auch immer besucht.

 

Um 11:15 Uhr war es dann soweit: Silvester im Kosovo, mitten im März, kaum zu glauben. Aus einem Verteiler starteten lautstark kleine Leuchtraketchen, der vertraute Geruch eines Feuerwerks breitete sich aus. Wenn nicht gleichzeitig sich ein Feuerchen am Boden entzündet hätte, wär’s sogar romantisch gewesen. Am Nachmittag durften wir uns über zwei weitere Feuerwerkchen freuen. Ein Hoch der kosovarischen Unterhaltungsindustrie.

Dem ersten Feuerwerkskörper folgten, wahrscheinlich aus Solidarität, noch weitere...

...... und Klaus Großwindhager zieht mit Unschuldsmiene seine Opferbilanz.

Zwischenzeitlich ging’s aber auch in JETA E RE hoch her. Schwer bewaffnet mit seiner Lieblings-HILTI und mit energischem Blick stürzte sich Edmund Irreiter ins Kampfgeschehen. Mit einer derartigen Gegenwehr hatte er aber in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Wer unseren Frontkämpfer allerdings kennt, weiß, wie der Verlierer heißt: STAHLBETON

Bruno Gruber stöbert mit Akribie und Geduld allfälligen Murks auf ...

...... während Edmund Irreiter seine Nahkampferfahrung an Philipp weitergibt

„Jetzt eine Krake sein und an allen Ecken und Enden mithelfen können.“ So dürften wohl die stillen Gedanken bei Bruno Gruber sein, wenn man ihn meist im Stechschritt von Baustelle zu Baustelle eilen sieht. Dennoch, er lächelt meist, scheint sich also doch um eine Form von Event-Urlaub zu handeln, vielleicht „X-treme Working for Middle Aged“ ?

Philipp Deinhofer und Johannes Vorderdörfler zeigen den Soll-Ist-Vergleich beim Verteilerbau ....

..und Roland Hanghofer rackert sich mit Erwin Holub beim Kanalverlegen in der Höhenluft ab.

 

Der Zeitplan unseres Professionisten-Duos ist eng beschrieben, selbst angebohrten Leitungen, Stahlbetonträgern und schwächelnden Assistenten ist es nicht gestattet, an diesem Plan zu rütteln. So wurde es auch an diesem ersten vollen Arbeitstag später als gedacht. Die Kräfte reichen aber noch, um sich zum Österreicherhof zu schleppen und dort in rauchiger Atmosphäre mit Teamkollegen und Soldaten über den Beginn des Einsatzes zu plauschen. Dass dabei auch die raue Kehle beruhigt wird – immerhin staubt es am Arbeitsplatz – versteht sich wohl von selbst.

Wer nun „Last Order“ übersieht, muss noch dazulernen, denn pünktlichst um 22:30 Uhr fallen die Rollläden. ÄTSCH. Trotz eines anstrengenden Arbeitstages findet Edi Irreiter aber noch zur Schlafenszeit aufmunternde Worte für seinen Mitstreiter Bruno Gruber:

„Waunst morgen schwächelst, beiß i di.“

Bruno bedankt sich artig für den Motivationsschub

Für das Projekt-Team

Franz Brunner / vom Balkan

 


Kontaktperson: Franz Brunner webmaster/23.03.2004