HTL Steyr - Schulgeschichte
Nach dem 2. Weltkrieg


 Erinnerungen an das Internat der HTL Steyr
OStR Mag. Maximilian Czermak
 

1953 - 1955: Erinnerungen an jene Zeit, als das Internat der HTL Steyr noch im Hauptgebäude zweiter Stock untergebracht war. Das Schulgebäude hatte zu jener Zeit noch keinen 3. Stock. 

Die großen Räume der ehemaligen Kaserne eigneten sich gut als Schlafsäle für mehr als zwanzig Schüler. So weit ich mich erinnern kann, schliefen wir in Stockbetten, die links und rechts von einem Mittelgang in den Sälen aufgestellt waren. Unsere Präfekten unterrichteten meistens auch an der Schule. 

Gut erinnern kann ich mich noch an Professor Ing. Steinkellner. Er hatte eine kräftige Stimme, mit der er uns frühmorgens aus dem Schlaf riss. Anschließend ging es für kurze Zeit, streng eingeteilt nach Schlafsälen, in den bescheidenen Waschraum neben den Toiletten.

Nach der Morgentoilette betraten wir den Schulbereich, der sich im Erdgeschoss und im 1. Stock befand, wo wir nach einem möglichen Frühstudium in den Sälen neben der Küche das Frühstück einnahmen. Die Küche befand sich im Erdgeschoss auf der rechten Seite, dort wo heute der Lehrsaal der 1E ist. 

Die Schule war damals mit dreibeinigen Eisenstockerln als Sitzgelegenheit und mit langen Tischen aus Eisenprofil und Hartfaserplatten ausgestattet. Dieses robuste Mobiliar wurde in der Schule selbst erzeugt. Nach dem Frühstück war es notwendig, die langen Tische schnell zu reinigen, damit sie dann für den Unterricht zur Verfügung standen.

Auch das Mittagessen wurde in den Sälen gegenüber der Küche eingenommen. Diese Säle mussten von den Schülern nach dem Vormittagsunterricht schnell geräumt werden, damit die Internatsschüler in zwei Gruppen in kürzester Zeit ihr Essen einnehmen konnten. Kurz vor dem Nachmittagsunterricht wurden die Tische wieder gereinigt und der Schulbetrieb ging weiter. Natürlich kam es vor, dass manche Hefte und Bücher durch Speisereste gekennzeichnet waren.


1954/55 Vortrag des Steyrer Abenteurers Max Reisch
A
m Ostende des Erdgeschoßes (wo heute der Übergang zum E-Labortrakt ist) 
erstreckte sich ein Raum über die gesamte Breite des Schulgebäudes. Er wurde durch eine Faltwand in zwei Klassenzimmer geteilt. Für größere Veranstaltungen wurde die Wand beiseite geschoben, wodurch sich ein "Veranstaltungssaal" ergab.

Nach der Schule gab es für die Internatsschüler etwas Freizeit. Im Internatsbereich im zweiten Stock stand ein Klavierzimmer zur Verfügung, wo man üben und auch Klavierunterricht nehmen konnte. Sehr viel Freizeitangebote gab es sonst nicht.

Das Abendessen und Studium fand wieder im Schulbereich statt. Kurz vor der Nachtruhe wurde die Tür im zweiten Stock zum Schulbereich versperrt. Nach einer Anwesenheitskontrolle im Schlafsaal sollte Stillschweigen eintreten. Es gab aber immer noch viel Wichtiges mit den Nachbarn zu besprechen. Nur ein oftmaliges Einschreiten des Präfekten brachte endlich die gewünschte Nachtruhe. 

Es gab natürlich ein Krankenzimmer und eine Krankenschwester. Sie hatte es nicht leicht, während der Schularbeitszeiten die wirklich Kranken herauszufiltern. 

Die Schule hatte zu dieser Zeit auch keinen Festsaal. Wollte der Herr Direktor alle Schüler und Professoren erreichen, so fand eine Versammlung beim Haupteingang im Freien statt oder bei Schlechtwetter in der Werkstätte der Grundausbildung. Der Direktor sprang dann auf einen Arbeitstisch und sprach von dort zu den Schülern und den Professoren, die zwischen den Werkbänken und Maschinen verteilt waren. Das Internat in der Schule (bis Herbst 1964) war sicher eine Notlösung. Sie ermöglichte aber vielen auswärtigen Schülern die schon damals sehr gute Ausbildung an der HTL Steyr. Es war verständlich, dass viele Internatschüler damals nach dem zweiten Schuljahr ein Privatzimmer nahmen. Auch ich suchte mir ein Privatzimmer in der Siedlung neben der Schule. 

OStR Mag. Maximilian Czermak
Professor (i.R.) für Mathematik und Physik
(Unterricht an der HTL Steyr von 1967-1998)


Kontaktperson: Rudolf Wimmer webmaster/11.07.2005