HTL Steyr -
Schulgeschichte |
Erinnerungen
an die HTL Steyr
OStR Dir. Ferdinand Freihofner
1951
- 1981: Lange habe ich überlegt, ob es sinnvoll ist, die Erinnerungen und die Zustände an der HTL Steyr in der Nachkriegszeit zu schildern. Denn die jungen Zeitgenossen können dies – auch von meiner frühen Erfahrung her – nicht verstehen oder richtig wahrnehmen.
Im Herbst 1951 trat ich als Professor für Mathematik und Darstellende Geometrie in die HTL ein. Bis dahin wurden alle technischen Fächer, so auch Mathematik, DG, Physik usw. ausschließlich von Diplomingenieuren unterrichtet. Auf Grund des starken Gehaltsgefälles zwischen Industrie und Schule wurden diese immer mehr Mangelware. Später mussten wir sogar rein technische Fächer, etwa Mechanik und technisches Zeichnen übernehmen.
Die Unterrichtsgestaltung war vor allem wegen des großen Raummangels äußerst schwierig abzuwickeln. Der ganze 2. Stock – damals war das Gebäude noch zweistöckig – war dem Internat vorbehalten. In dieser Zeit waren die HTLs in Österreich noch sehr spärlich, vor allem für die in Steyr angebotenen Fachrichtungen: Kraftfahrzeugbau, Landmaschinentechnik, Elektro- und Hochfrequenztechnik. So kamen Schüler von Vorarlberg bis Wien und dem Burgenland nach Steyr.
Dies führte zu einer kaum zu bewältigenden Überkapazität der Internatsplätze. 40 Schüler und mehr waren in einem Raum und in Stockbetten untergebracht, die in den Ecken oft drei Stock hoch waren. Mäntel und Anzüge mussten an den Betten aufgehängt werden, weil für Schulsachen, Unterwäsche und die meist von den Großmüttern liebevoll und reichhaltig mitgegebenen Lebensmittel nur ein schmaler Spind am Flur für jeden einzelnen Schüler vorhanden war.
Der damalige Direktor HR Hillisch hat schon damals alles darangesetzt einen Internatsneubau zu erreichen, was aber auf Grund der schwierigen finanziellen Situation des Staates jahrelang verzögert wurde. Einmal hat er den damaligen Unterrichtsminister Dr. Drimmel zur Besichtigung dieser Zustände eingeladen und Lehrer und Schüler auf die Gänge des Internats beordert, wo sich der etwas beleibte Minister mühevoll durchzwängen musste.
Nicht minder prekär war die Lage für die Lehrsäle, die für das Internat auch zum Frühstück, Mittag- u. Abendessen sowie für die abendliche Studierzeit herhalten mussten. Eine Reinigung war nur in den kurzen freien Zeiten möglich. Manche unangenehme Überraschung gab es, wenn ein Schüler seine Hefte oder Bücher in das untere Fach des Schultisches schob, weil dort oftmals ein verschmähtes Essen vom Vortag gelagert war und der Grießbrei - genannt "Babygulasch" - die Schulutensilien verunreinigte.
Auf Grund der Raumnot fanden in den Pausen Wanderungen mehrerer Klassen statt, weil die Klassen, die im Physik-, Chemie- od. Turnsaal (besser Turnkammerl) Unterricht hatten, von anderen Klassen in Anspruch genommen wurden.
Trotz dieser Miseren gab es aber auch schöne Feiern, besonders zum Nationalfeiertag, damals noch "Tag der Fahne" genannt.

Die Kunstgewerbeabteilung stellte hierfür wunderschöne Wappen aller Bundesländer her. Unter Mitwirkung der guten Schülerkapelle fand dann im Schulhof die Feierstunde statt.
OStR Dir. Ferdinand Freihofner
Professor für Mathematik und
Darstellende Geometrie der HTL Steyr
| Kontaktperson: Andreas Schnabl | webmaster/18.05.2005 |