HTL Steyr - Schulgeschichte
Nach dem 2. Weltkrieg


 Erinnerungen an die HTL Steyr
OStR Mag. Kurt Kunze
 

1951 - 1990: Sechs Jahre nach Kriegsende begann ich meinen Dienst an der damaligen Bundesgewerbeschule in Steyr. Der Wiederaufbau in Österreich war in vollem Gange. Facharbeiter und Ingenieure wurden dringend gebraucht. Klassen und Jahrgänge waren voll besetzt (Schülerzahl 36). Schülerinnen und Schüler kamen aus allen Bundesländern hierher. Allerdings war die Latte der Leistungen damals hoch gesteckt, denn schon mit wenigen "Genügend" wurde unerbittlich ausgeschult.

Die alte k. u. k Jägerkaserne in der Schlüsselhofgasse wurde schon früher als Schule verwendet, aber der Bauzustand der Gebäude war leider nicht der beste. In den langen Gängen waren teilweise vermoderte Holzböden, Türen und Fenster in desolatem Zustand, während im 2. Stock das dringend notwendige Internat untergebracht war. Die auswärtigen Schüler mussten in langen Reihen in Stockbetten schlafen. Das Mittagessen wurde in den Klassenräumen im Parterre gereicht und erst nach Beseitigung der Speisereste konnte der Nachmittagunterricht beginnen.

Nach dem Besuch eines Unterrichtsministers in der Schule konnte schrittweise dieser unhaltbare Zustand verbessert werden. Jahrelang war damit eine Beeinträchtigung des Schulbetriebes inbegriffen. Ein neues modernes Internat und Nebengebäude wurden errichtet - alte Bausubstanz abgerissen, Terrazzoböden gelegt, Türen und Fenster erneuert - alles mit hoher Lärm- und Staubbelästigung und während des normalen Schulbetriebes. 

Als alles endlich fertig war, kam die Aufstockung des 3. Stockwerkes im Hauptgebäude an die Reihe. Auch die Werkstätten wurden modernisiert.

Der große Hit in der Mathematik war das Aufkommen des Rechenschiebers. In DG wurde auf alten Zeichenbrettern aus Holz gezeichnet. Auf der Tafel musste ich mit großen Holzdreiecken und Riesenzirkel arbeiten. Das klingt heute alles mittelalterlich !!! Beim Taschenrechner gab es noch große Diskussionen und heute hat schon jeder Schüler seinen eigenen PC. Die allerletzte große Modernisierung der HTL erfolgte schon nach meiner Pensionierung.

Wo immer meine Frau und ich weilen, treffen wir ehemalige HTL-Schüler  - sei es in Kanada oder Hamburg und natürlich bei den vielen Maturajubiläen. Viele von ihnen sagen, sie hätten noch heute ihre mathematischen Mitschriften von damals in der Schublade und es wäre eine schöne Zeit gewesen. Immer wieder wurde der oft eingestreute Humor in meinem Unterricht gewürdigt.


HTL Steyr - 1990

Wenn in einer Doppeleinheit (100 Minuten) die Klasse oder der Jahrgang nicht EINMAL hellauf befreiend gelacht haben, war für mich der Unterricht nicht optimal. Ein Schüler sagte mir: "Von Ihrem Unterricht habe ich mir nur gemerkt: QUOD ERAT DEMONSTRANDUM (was zu beweisen war) und einen Ihrer Schüttelreime: "Während er von Küssen faselt, es von seinen Füßen kaselt". Darauf ich: "Wenn das alles war, was Sie von meinem Unterricht profitiert haben, dann hat mich der Staat zu teuer bezahlt!"

In meiner Pension habe ich nun endlich Zeit, mich meinen drei Hobbys zu widmen, Mathematik (mit PC-Problemen, die ich mir selbst stelle), Musik (z.B. Anton Bruckner, Richard Strauss, Strawinsky, Richard Wagner...) und Geschichte Europas des 19. und 20. Jahrhunderts.

OStR Mag. Kurt Kunze
Professor (i.R.) für Mathematik und 
Darstellende Geometrie der HTL Steyr


Kontaktperson: Andreas Schnabl webmaster/04.05.2005